Pflanzenkohle stärkt Böden in Assam und Odisha
In vielen ländlichen Regionen Indiens fallen große Mengen Ernterückstände wie Reisstroh, Baumwoll- und Senfstängel oder Maisreste an. Da es an bezahlbaren Alternativen mangelt, werden die Ernterückstände offen verbrannt oder sie verrotten unkontrolliert. Beides setzt erhebliche Mengen klimaschädlicher Gase frei und verschlechtert die Bodenqualität.
Gemeinsam mit rund 2.000 Kleinbäuerinnen und -bauern in Assam und Odisha werden diese Erntereste daher mittels Kon-Tiki-Pyrolyse in Pflanzenkohle umgewandelt. Während der Pyrolyse wird der Kohlenstoff der Biomasse in stabile Kohlenstoffstrukturen überführt, die als Pflanzenkohle über Jahrhunderte bis Jahrtausende im Boden gespeichert bleiben. Die Landwirt:innen mischen die Pflanzenkohle anschließend mit Kompost oder Stallmist und bringen sie auf ihren eigenen Feldern aus. So entstehen dauerhafte Kohlenstoffsenken.
Pflanzenkohle bietet neben Kohlenstoffspeicherung viele weitere Vorteile: Sie verbessert die Wasserhaltefähigkeit der Böden, erhöht die Nährstoffverfügbarkeit und stabilisiert den pH-Wert. Dadurch steigert das Projekt die Bodenfruchtbarkeit, unterstützt langfristig stabilere Erträge und stärkt so die Lebensmittelsicherheit.
Gleichzeitig schafft das Projekt neue wirtschaftliche Perspektiven: Bäuerinnen und Bauern werden intensiv geschult, erhalten Zugang zu einem digitalen Monitoring-System (dMRV) und werden für jede produzierte und tatsächlich ausgebrachte Charge Pflanzenkohle fair vergütet. Supervisor:innen stehen den Kleinbauern und -bäuerinnen beratend zur Seite und überwachen das Projekt.


Verkohlte Biomasse – Pflanzenkohle – hat viele Vorteile, die sie für Klimaschutzmaßnahmen wertvoll machen. Sie ist nicht nur ein dauerhafter Kohlenstoffspeicher, sondern kann auch für diverse Anwendungen wie zur Wasserfilterung, in der Medizin und als nachhaltiges Baumaterial verwendet werden. Sie verbessert u. a. die Wasser- und Nährstoffspeicherkapazität des Bodens, was zu gesünderen Pflanzen und höheren Erträgen für die Landwirte führt. Pflanzenkohle neutralisiert saure Böden, auf denen Pflanzen sonst schlecht wachsen würden. Die Struktur von Pflanzenkohle verhindert auch, dass Düngemittel ins Grundwasser gelangen. Und da sie die Fruchtbarkeit geschädigter Böden wiederherstellen kann, verringert sie langfristig den Bedarf an Düngemitteln und ermöglicht eine umweltfreundliche Landwirtschaft. Pflanzenkohle wird durch Erhitzen von Biomasse unter Ausschluss von Sauerstoff hergestellt. Das verbleibende Material ist eine fast reine Kohlenstoffstruktur, die Pflanzenkohle. Pflanzenkohle kann aus jedem organischen Material hergestellt werden, z. B. aus Feldabfällen, was sie zu einem wirksamen Mittel der nachhaltigen Abfallwirtschaft macht. Die Pflanzenkohle-Projekte im ClimatePartner-Portfolio sind bei internationalen Standards registriert.
Vier Qualitätskriterien für Klimaschutzprojekte
Lebenszyklus eines Klimaschutzprojekts
Ein Klimaschutzprojekt hat einen definierten Lebenszyklus und durchläuft verschiedene Stationen von der Machbarkeitsprüfung bis hin zur Stilllegung der verifizierten Emissionsreduktionen.Der bzw. die Projektentwickler:in überprüft die generelle Machbarkeit des Projekts, das Projekt-Design und die Finanzierung. Anschließend wird das sogenannte Project Design Document (PDD) erstellt, das alle grundsätzlichen Informationen zum Projekt, beispielsweise das Projektziel, den Standort, wann das Projekt implementiert werden soll und die Projektlaufzeit enthält.
Im nächsten Schritt überprüfen unabhängige Auditoren das PDD und die darin enthaltenen Informationen. Dazu gehören oft auch Projektbesuche mit Interviews und Analysen vor Ort. Auditoren sind akkreditierte, neutrale Prüfer, die vom Register als Validierungs- und Verifizierungsstelle zugelassen sein müssen. TÜV Nord/Süd, S&A Carbon LLC., und SCS Global Services sind Beispiele für VVBs.
Nach der erfolgreichen Validierung kann das Projekt beim Standard, wie dem Verified Carbon Standard oder dem Gold Standard, registriert werden. Alle qualitativ hochwertigen Klimaschutzprojekte beruhen auf internationalen Standards. Sie bilden den Rahmen für das Projekt-Design, den Projektaufbau, die Berechnung der Emissionen und das Monitoring. Anerkannte Standards machen Markt und die Projekte selbst widerstandsfähig, nachvollziehbar und glaubwürdig.
Nachdem das Projekt registriert wurde, beginnt die erste Monitoring-Phase. Hier überwachen und dokumentieren die Projektentwickler die Daten der Projektaktivitäten und des Projektfortschritts. Die Dauer der Monitoring-Phase ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich, sie kann zwei Jahre umfassen, aber auch eine Dokumentation über fünf oder sieben Jahre sind möglich.
Nach Abschluss jeder Monitoring-Phase überprüft und beurteilt eine Validierungs- und Verifizierungsstelle, ob die im Monitoring-Bericht angegebenen Werte und Projektaktivitäten korrekt sind. Wie auch bei der Validierung sind Besuche im Projektgebiet oft Teil der Verifizierung.
Die in der Verifizierung überprüften Emissionsreduktionen können nach der erfolgreichen Verifizierung ex-post als verifizierte Emissionsreduktionen ausgegeben werden. Die Schritte Monitoring, Verifizierung und Ausgabe von verifizierten Emissionsreduktionen wiederholen sich in periodischen Abständen und sind als Kreislauf zu betrachten.
Wenn eine verifizierte Emissionsreduktion verwendet wird, muss sie stillgelegt werden. Dieser Vorgang wird ebenfalls in Registern gespeichert. Findet die Finanzierung eines Klimaschutzprojektes über ClimatePartner statt, sammelt ClimatePartner die verifizierten Emissionsreduktionen in einem durch den TÜV Austria geprüften System und legt sie regelmäßig still. So wird sichergestellt, dass jede verifizierte Emissionsreduktion nur einmal verwendet wird. Ein Verkauf danach ist nicht mehr möglich und eine Doppelzählung ist damit ausgeschlossen.
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