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Lebensräume in den Ammergauer Alpen revitalisieren und schützen


Deutschland, Ammergauer Alpen
ClimatePartner ID: ENV0006
NaturschutzEinblicke ins Projekt

Artenreiche Bergwiesen, Moore und Wildflusslandschaften zählen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen Europas. In Deutschland gelten bereits 95 Prozent der ursprünglichen Moorflächen als „tot“ (NABU). Viele Flüsse wurden begradigt, natürliche Auenlandschaften gingen verloren, was einen Rückgang der Artenfielfalt zur Folge hatte. Allein die Populationen von Süßwasserfischarten sind seit 1970 um über 80 Prozent zurückgegangen (WWF).

Die Bergwiesen der Ammergauer Alpen gehören zu den artenreichsten in ganz Europa. Sie sind über Jahrhunderte durch schonende Bewirtschaftung entstanden – mit wenig Düngung, wenigen Schnitten und maßvoller Beweidung. Da ihre Pflege jedoch aufwendig und kostenintensiv ist, werden diese schwer zugänglichen Flächen zunehmend aufgegeben. Die Folgen: Büsche und Bäume breiten sich aus, seltene Kräuter und Gräser verschwinden – und mit ihnen Tierarten wie Wildbienen, Schmetterlinge und Wiesenvögel.

Der Verlust dieser Ökosysteme wirkt sich nicht nur auf die Biodiversität aus, sondern schwächt auch zentrale ökologische Funktionen wie Kohlenstoffspeicherung, Wasserregulierung und Klimaschutz.

Hier setzt das Naturschutzprojekt in den Ammergauer Alpen an. Auf einer Fläche von 227 km² werden artenreiche Bergwiesen durch Mahd und Entbuschung gepflegt, Moore durch Wiedervernässung revitalisiert und Wildflusslandschaften durch die Freilegung von Kiesbänken wiederhergestellt. Zudem entfernt das Projekt invasive Pflanzenarten und bringt standorttypische Bäume wie Weiden gezielt ein, um die ökologische Stabilität zu fördern.

Dank der engen Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren konnten bereits 15 Hektar Bergwiesen erhalten, 15–20 Hektar Waldflächen aufgeforstet und 2–3 Hektar Moorflächen wiedervernässt werden. Das Projekt leistet einen Beitrag, um die Artenvielfalt der Ammergauer Alpen zu bewahren und die Resilienz heimischer Ökosysteme gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken.

Unsere Wiesen sind echte Biodiversitäts-Hotspots in Europa: Stellenweise wachsen 60–70 verschiedene Pflanzenarten auf nur einem Quadratmeter; zum Vergleich beherbergt eine gewöhnliche Wiese oft lediglich fünf Arten. Damit das so bleibt, müssen die Biotope regelmäßig gepflegt werden, damit sie nicht verbuschen oder verwalden. Unser wichtigstes Ziel ist der Erhalt der Biodiversität: Alle Projekte zielen darauf ab, extensive Landwirtschafts- und Naturschutzflächen zu bewahren und zu verbessern – etwa indem wir Almflächen entbuschen und öffnen, sodass sie künftig wieder für die Weidegesellschaften nutzbar sind.
Stephan BittnerProjektmitarbeiter Naturpark Ammergauer Alpen
"In Deutschland sind über 90% der natürlichen Moorflächen zerstört. Dies führt zu erheblichen Emissionen, die etwa 5-7% der nationalen Treibhausgasemissionen ausmachen. Dabei können Moore auch echte Klimahelden sein: Bei einer Wiedervernässung werden Emissionen in kurzer Zeit drastisch reduziert und gleichzeitig wichtige Ökosysteme renaturiert. Damit erreicht man gleich mehrfach Gutes: Reduktion von Emissionen, Regulierung des Wasserhaushalts und Hochwasserschutz, sowie Verbesserung von Lebensräumen bedrohter Tier- und Pflanzenarten."
Helena ScholzProjektentwickler

Naturschutz: Ökosysteme wiederherstellen und neue Lebensräume schaffen

Wälder, Moore und Wiesen: Intakte Ökosysteme beherbergen viele Tier- und Pflanzenarten, binden Kohlenstoff und sorgen für einen optimalen Wasserhaushalt auf den Flächen. So können Dürren oder Überschwemmungen besser abgefedert werden.

Jahrhunderte intensiver Landnutzung, Landwirtschaft und Infrastrukturentwicklung haben diese natürlichen Landschaften oft zerstört. Lebensräume, die einst miteinander verbunden waren, sind heute voneinander isoliert. Für viele Arten stellen intensiv genutzte Felder und Straßen unüberwindbare Barrieren dar. Die Folgen sind weitreichend: Nahrungssuche und Fortpflanzung werden schwierig. Wenn kein Genfluss zwischen isolierten Teilpopulationen stattfindet, führt das langfristig zu genetischer Verarmung und in Folge davon zu geringerer Überlebensfähigkeit.

Unsere Naturschutzprojekte setzen genau hier an: Sie stellen degradierte Landschaften wieder her und schaffen naturnahe Lebensräume. Die wiederhergestellten Flächen werden Teil eines größeren Biotopverbunds, der es Wildtieren ermöglicht, sich sicher zwischen verschiedenen Lebensräumen zu bewegen. So kann beispielsweise ein Blühstreifen einen wichtigen Korridor durch landwirtschaftlich genutzte Flächen bieten, während neu gepflanzte Hecken getrennte Waldflächen miteinander verbinden. Renaturierte Bäche und wiedervernässte Moore verbessern den Wasserhaushalt und fördern die Rückkehr einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Auch Totholz-Anreicherungen schaffen wertvolle Mikrohabitate für zahlreiche Arten.

Je nach Projekt werden folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Pflanzung und Pflege von Hecken und Feldgehölzen

  • Anlage von Blühstreifen als Korridore für Bestäuber und Insekten

  • Renaturierung von Bachläufen verbessert die Wasserqualität

  • Einzäunen von schützenswerten Bäumen

  • Wiedervernässung und Schutz von Mooren als natürliche Kohlenstoffspeicher

  • Anreicherung von Totholz schafft vielfältige Mikrohabitate

  • Aufforstung mit standorttypischen Baumarten

Das Projekt hat zum Ziel, einen Beitrag zu diesen Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) zu leisten.

Projektfakten

Klimaschutzprojekte lassen sich in drei Gruppen einteilen: CO2-Reduktion, CO2-Bindung und CO2-Vermeidung. Projekte zur CO2-Reduktion verringern die Menge an Treibhausgasemissionen, die durch eine bestimmte Aktivität entstehen. Ein Beispiel hierfür sind effiziente Kochöfen-Projekte. Projekte zur CO2-Bindung entfernen Emissionen aus der Atmosphäre, indem sie diese in Kohlenstoffsenken binden. Ein Beispiel hierfür sind Aufforstungsprojekte. Projekte zur CO2-Vermeidung verhindern, dass Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre gelangen, zum Beispiel durch den Schutz der Wälder vor Abholzung (REDD+ Projekte).

Klimaschutzprojekte reduzieren oder vermeiden nachweislich Treibhausgasemissionen. Das gelingt mit verschiedenen Technologien: Sie reichen von naturbasierten Lösungen über Social-Impact-Projekte bis hin zu erneuerbaren Energien.
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